Maximiliane Wagner
Veröffentlicht am in HowTos, Methoden, Texten, Usability

Die Usability von Text – und wie wir sie verbessern können

Wir schreiben täglich Texte: E-Mails, Nachrichten, Texte für Präsentationen, Webseiten und User Interfaces, Marketingtexte und vielleicht, wie in meinem Fall gerade, für einen Blogartikel. Doch über die Usability, also die Gebrauchstauglichkeit von Text machen wir uns eher selten Gedanken. Dabei haben auch Texte eine Usability und die ist häufig ausbaufähig.

 

Das Problem der Nutzer: Informations-Überlastung

Wir erhalten im Schnitt 18 berufliche E-Mails pro Tag. Dazu kommen 37 WhatsApp Nachrichten mit denen wir uns 29 Minuten beschäftigen, 149 Minuten im Internet surfen und 221 Minuten fernsehen. Unterwegs  kommen wir an Plakaten und Info-Terminals vorbei und im Briefkasten warten Briefe und Flyer.

Über alle diese und weitere Medien erhalten wir eines: Informationen. Egal ob relevant oder nicht, es sind vor allem: zu viele.

 

Kein Wunder, dass das Institut für Konsum- und Verhaltensforschung bereits 2004 für Deutschland eine Informationsüberlastung von 98% errechnet hat. Das bedeutet, 98% aller Informationen, die uns so begegnen, nehmen wir gar nicht mehr wahr. Sie haben ihren Zweck verfehlt. Was also tun, wenn wir unserem Leser doch eigentlich etwas Wichtiges mitzuteilen haben?

 

Motive, einen Text zu lesen

Wir müssen dem Nutzer einen Grund liefern, sich ausgerechnet mit unserem Geschreibsel näher zu beschäftigen. Das erreichen wir, indem wir schon in der Headline eines der folgenden fünf Motive bedienen:

5 Motivationen, Text zu lesen: Vorteile, schnell wahrnehmbar, Angst, Neugierde, Bekanntes

 

Besonders motivierend sind Vorteile oder Dinge, die uns neugierig machen. Auch wenn es um etwas uns bekanntes geht, z.B. die eigene Stadt, horchen wir auf.

Im Idealfall haben wir nun also die Aufmerksamkeit des Nutzers. Doch jetzt kommt der eigentlich schwierige Teile. Der Nutzer muss die Informationen verstehen, möglichst schnell verarbeiten und darf sich dabei nicht langweilen. Denn sonst verlieren wir ihn auch sofort wieder. Schließlich gibt es noch zig andere Dinge, mit denen er sich beschäftigen kann.

 

Relevante, verständliche und klare Texte schreiben

Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Natürlich muss der Text erstmal inhaltlich passen. Dafür gilt die Faustregel: So kurz wie möglich, aber so lang wie nötig. Unser Text sollte also alle für den Nutzer relevanten Informationen beinhalten. Gerne kannst du Beispiele verwenden, sofern diese einen klaren Nutzen bringen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sie das Geschriebene veranschaulichen oder Gefühle beim Leser wecken. Prüfe aber kritisch, ob du nicht etwas weglassen kannst, was für deine eigentliche Aussage unwichtig ist.

 

Doch nicht nur die Länge und der Inhalt sind relevant für die gute Usability eines Textes. Es gibt auch formale Kriterien, die einen Text einfacher lesbar und ansprechender machen. Um unsere Texte dahingehend zu optimieren, kann das Redigiersystem mit folgenden 10 Punkten helfen.

 

Das Redigiersystem

  1. Beschränke Satzlängen, maximal 14 Wörter pro Satz.
  2. Kontrolliere Wortlängen, maximal 5 Silben pro Wort. Oft kannst du „Wortmonster“ verkleinern. Ein Beispiel: „Automobilzuliefererkonferenz“ vs. „Konferenz der Automobil-Zulieferer“
  3. Verzichte auf bildleere Hauptwörter, da sie weder die Sinne noch Gefühle des Lesers ansprechen. Diese erkennst du an folgenden Endungen: -ung, -keit, -heit, -ät, -ion, -ive, -ismus
  4. Kontrolliere Fremd- und Modewörter und ersetze sie gegebenenfalls.
  5. Streiche Hilfsverben wie können, müssen, möchten, dürfen, wollen, sollen. Diese machen Texte vage. Das klassische Beispiel: „Ich möchte mich bewerben…“ Ja, dann tu’s doch!
  6. Kontrolliere, ob du Passivkonstruktionen wirklich brauchst, da sie Texte komplizierter machen.
  7. Verzichte auf Sätze im Konjunktiv. Nicht „Das könnte dein neues Fahrrad sein“, sondern „Das ist dein neues Fahrrad“. Das schaltet das Kopfkino des Lesers an.
  8. Kontrolliere Pronomen. Wo lassen sich ich / wir / uns durch Sie / Ihr / Ihren ersetzen? So wird der Text persönlicher.
  9. Verzichte auf negative Begriffe und Wörter wie kein und nicht, da sie negative Assoziationen auslösen können. Ersetze „kein Problem“ etwa durch „ganz einfach“.
  10. Streiche Wiederholungen.

 

Doch bevor du jetzt loslegst, eine wichtige Einschränkung: Diese Punkte helfen Potenzial für Verbesserungen aufzudecken. Sie sind aber kein Muss. Das heißt, du prüfst im Einzelnen, ob eine Veränderung den Text auch wirklich besser macht.

 

In jedem Fall lohnt es sich, einen geschrieben Text noch einmal kritisch zu überarbeiten. Zum einen für den Nutzer, der das Lesen angenehmer finden wird und alle für ihn wichtigen Informationen erhält. Zum anderen aber auch für uns Verfasser. Schließlich haben wir etwas mitzuteilen. Und es wäre doch schade, wenn es in der Flut der Information nicht oder nur teilweise bei unseren Lesern ankommt.

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