Ralf Kienzler
Veröffentlicht am in Design, User Experience

On Demand Dienste profitieren von attraktiv beworbenen Inhalten. In der Praxis spielt das zu oft eine untergeordnete Rolle.

Bei der Entstehung von neuen On Demand Plattformen steht erstmal die Entwicklung des Interfaces selbst im Vordergrund. Wie findet der Nutzer die wichtigen Informationen und Produkte? Versteht er das Angebot und findet er sich darin zurecht? Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass die Aufbereitung der Inhalte selbst eine große Rolle dabei spielt, ob ein Film am Ende gekauft wird oder nicht.

 

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Netflix, noch immer vorbildlich: Großes Bild (auf manchen Devices eine Slideshow), ein Logo zu jeder Serie, Bewertung und die wichtigsten Infos

 

„Content is King“ ist eine der großen Maxime im Interface-Design dieser Tage. Oft wird dabei übersehen, dass damit nicht nur gemeint ist, dass Navigationselemente nicht den Screen dominieren oder Funktionen nicht überpräsent sein sollen. „Content is King“ bedeutet vor allem, dass die Inhalte selbst der Grund sind, warum Besucher sich für eine Plattform entscheiden.

Das Bereitstellen von ansprechendem Bildmaterial, sinnvollen Informationstexten und Metadaten wird zugunsten der Entwicklung von perfektionierten Klickwegen zurückgestellt. Und auch nachdem ein Dienst live gegangen ist, verlässt sich mancher Anbieter lieber auf ein automatisiertes Aufbereiten von Datenbanken, anstatt ein geschultes Auge für Bildauswahl und Arrangement zu verpflichten. Aber keine Maschine kann ein gutes Bild von einem schlechten unterscheiden, ansprechende Ausschnitte wählen oder eine spannende und attraktive Komposition erstellen. Skynet muss warten.

 

Android-TV-Detail

Android TV: etwas spärliche und sehr kompakte Detailansicht

 

Deshalb denkt an die Aufbereitung der Inhalte, nicht nur daran, wie der Nutzer sie erreicht. Um Inhalte zu verkaufen, genügt es nicht nur, dass sie da sind. Um das Interesse des Nutzers zu wecken, müssen sie darüber hinaus attraktiv beworben werden.

Wer seinen Content unmotiviert in eine Reihe quetscht, auf mittelmässiges Bildmaterial setzt und interessante Informationen weglässt, suggeriert Beliebigkeit und Irrelevanz.

 

Diese von uns entworfene Detailseite setzt auf die Wirkung des Filmposters. Anstelle der Inhaltsangabe treten andere Filminfos in den Vordergrund.

 

Sich bei der Darstellung Mühe zu geben, Unterschiede zu betonen, das Besondere hervorzuheben – all das unterstreicht bei Nutzern, dass man von seinem eigenen Angebot überzeugt ist. Der Fokus sollte auf einer lebendigen und abwechslungsreichen Präsentation liegen, anstatt die immer gleiche Darstellungsform zu wählen. Hier empfehle ich Content-Anbietern von der kreativen Gestaltung von Schaufenstern zu lernen, die oft erfolgreich Menschen zum Kauf inspirieren. Oder von einem attraktiven Messestand. Dazu braucht man aber manchmal eine Redaktion. Und ein Interface, das variabel ist.

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