Sandra Buczek
Veröffentlicht am in Apps, Konzeption, Mobile, Tablet, TV, User Experience

Same, same – but different. Wie ähnlich müssen sich Apps auf verschiedenen Plattformen wirklich sein?

„Irgendwann werden wir alle Dienste zur Medien- und Informationsnutzung auf einem einzigen Gerät haben“ – eine Zukunftsvision, die vor ein paar Jahren noch wahrscheinlich schien und von vielen Experten der Branche vertreten wurde. Die Entwicklung ist allerdings gegensätzlich: statt immer weniger Screens haben wir mehr und mehr Geräte in den unterschiedlichsten Größen und für verschiedenste Anwendungen.

Für Content-Anbieter wie Online-Videotheken, die eine möglichst hohe Marktdurchdringung anstreben, erhöht sich die Komplexität bei Konzeption, Design und Umsetzung von Apps dadurch enorm. Es ist nicht mehr damit getan eine App herauszubringen, stattdessen müssen sich Anbieter entscheiden, ob sie Anwendungen für Mobile und Tablet (jeweils für die verschiedenen Betriebssysteme), Browser, Windows 8 sowie für die unterschiedlichen TV Plattformen wie Smart TVs, STB, Konsolen und HbbTV in den Markt bringen wollen.

Nachdem die Frage geklärt ist, welche Plattformen in welcher Reihenfolge bedient werden, steht man bald vor der Herausforderung, wie diese sich vom User Interface sowie dem Funktions- und Inhaltsumfang unterscheiden. Dabei gilt es, sowohl die UX zwischen den Plattformen konsistent zu halten, als auch die Plattform spezifischen Charakteristika aufrecht zu erhalten. Das Interaktionsverhalten eines Touch Gerätes 1:1 auf ein mit einer Fernbedienung bedienbares TV Interface zu übertragen ist daher genauso wenig zielführend wie das „Zurück“ Paradigma eines Geräts innerhalb der App zu brechen. Darüber hinaus gibt es limitierende Faktoren wie rechtliche Restriktionen, die Performance der Geräte und Vorgaben von OTT Anbietern wie z.B. Apple TV, die eine Geräte spezifische Adaption der Anwendung erfordern.

Damit Nutzer eines Dienstes sich auf den verschiedenen Plattformen gleichermaßen aufgehoben fühlen, sollte es jedoch trotz aller Einschränkungen und Abweichungen verbindende Elemente geben, die die Orientierung erleichtern und die Experience vereinheitlichen. Die zentrale Frage ist daher, welche Elemente der User Interfaces diese verbindende Funktion erfüllen können.

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Die Informationsarchitektur stellt das Skelett bzw. Gerüst der Anwendung dar und ist im Optimalfall so aufgebaut, dass die User Journey durch einen Dienst bis hin zum Konsum von Inhalten geleitet wird. Dabei hilft eine konsistente Struktur dem Nutzer, die Orientierung über die Plattformen hinweg zu behalten und relevante Inhalte schnell und einfach zu finden. Die Informationsarchitektur ist daher ein wichtiges verbindendes Element zwischen unterschiedlichen Plattformen und sollte nur in Ausnahmefällen geändert werden.

Auch die wesentlichen Inhalte und Funktionen eines Dienstes sollten über alle Geräte hinweg gleichermaßen erreichbar sein. Für kleinere Screens oder bei Geräten, bei denen es Einschränkungen in der Bedienbarkeit gibt (z.B. am TV) kann es hier allerdings trotzdem Sinn machen, komplizierte Funktionen und Einstellungen auf z.B. das Web auszulagern.

Navigationsparadigma und die Ansichtstypen sollten auf das jeweilige Gerät angepasst werden, da diese stark geprägt sind durch die Größe des Screens und die Art und Weise der Bedienung. Beispielsweise spielt die Verteilung von Elementen auf einer Ansicht bei der Gestaltung einer mit touch oder der Maus bedienbaren Oberfläche keine herausragende Rolle, da der Finger oder die Maus sich frei über den Screen bewegen können. Bei TV Interfaces, die auf einen räumlichen Fokus angewiesen sind, stellt die Platzierung von z.B. Navigation und Funktionen allerdings durchaus eine Herausforderung dar, weil die Elemente alle innerhalb möglichst kurzer Wege mit dem Fokus erreichbar sein müssen. Aufgrund dessen sind die Anforderungen an Navigation und Ansichtstypen sehr unterschiedlich und müssen nicht zwingend plattformübergreifend vereinheitlicht werden.

Natürlich sollte das Design für eine Wiedererkennung einer Marke sorgen. Farb- und Formenwelt spiegeln die Corporate Identity wider und werden sich daher auch in allen Anwendungen wieder finden.

In der Praxis läuft es darauf hinaus, dass für jeden Einzelfall eine Abwägung der oben genannten Faktoren und dem dafür entstehenden Aufwand für Umsetzung und Betrieb stattfindet. Trotzdem sollte beachtet werden, dass Anwendungen sich in Bezug auf die Informationsstruktur sowie Inhalte und Funktionen möglichst ähnlich sind, die Marke wiederspiegeln und dabei gleichzeitig den besonderen Anforderungen an das Gerät gerecht werden.

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