Maximiliane Wagner
Veröffentlicht am in ISO 9241-110, Usability, User Experience

Verstöße gegen die Dialogprinzipien am Beispiel von Axure

Wie bereits von Renate angekündigt, haben wir uns einmal unser alltägliches Konzeptionstool Axure hinsichtlich möglicher Usability-Probleme angeschaut. Dazu haben wir die Methode der Expertenevaluation in einer freien Exploration genutzt. Und in der Tat sind wir schnell auf einige Verstöße gegen die von Anja bereits vorgestellten Dialogprinzipien gestoßen. Ein paar konkrete Beispiele möchte ich euch im Folgenden vorstellen und außerdem Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen.

Axure ist ein sehr umfangreiches Tool, mit dem man Wireframes nicht nur zeichnen, sondern auch zu klickbare Prototypen zusammenstellen kann. Klar, dass so ein komplexes Programm nicht über Nacht erlernt werden kann. Dennoch würde der Einstieg so manchem Nutzer sicherlich einfacher fallen, wenn die Dialogprinzipien besser beachtet worden wären.

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So wird der potentielle Benutzer enttäuscht sein, wenn er ein rundes Element erstellen möchte, da er keine Möglichkeit dazu findet. Das liegt daran, dass hier gegen das Dialogprinzip der Selbstbeschreibungsfähigkeit verstoßen wurde. Der Kreis versteckt sich nämlich hinter dem Element „Rectangle“.
An dieser Stelle wird außerdem gegen das Prinzip der Aufgabenangemessenheit verstoßen. Der potentielle Nutzer wird nämlich genervt sein, weil er zunächst ein Rechteck erhält und dieses erst umständlich über die rechte Maustaste und ein Dropdown in einen Kreis umwandeln kann. Eine Lösung für  beide Probleme wäre, die am häufigsten benötigten Formen als eigene Elemente, die eindeutig beschriftet sind, anzubieten.

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Sehr nützlich an Axure sind Team Projects, Dateien an denen mehrere Nutzer gleichzeitig arbeiten können. Der Nutzer muss hier einzelne Seiten oder Elemente auschecken um sie bearbeiten zu können und später wieder einchecken, um sie für andere Nutzer wieder freizugeben. Der Prozess des Ein- und Auscheckens kann schon mal ein paar Minuten dauern. Der potentielle Nutzer wird daher genervt sein, wenn er beim Einchecken feststellt, dass er eine Änderung an der Seite vergessen hat und das Einchecken abbrechen möchte, da dies nicht möglich ist. Es gibt nämlich keinen „Abbrechen“-Button. Ein klarer Verstoß gegen das Dialogprinzip der Steuerbarkeit, der sehr einfach mit einem Button zu lösen wäre.

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Auch bezüglich der Fehlertoleranz zeigt Axure Schwächen. So gibt es gerade bei Team Projects eine Reihe von Fehlermeldungen, die plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auftauchen können. Der potentielle Nutzer wird frustriert sein, wenn er nicht versteht, weshalb eine Meldung angezeigt wird und er nicht weiter arbeiten kann, da nicht erklärt wird, wie er den Fehler beheben kann. Sehr schade, denn in Internetforen haben wir für viele Fehler eine Lösung gefunden. Es wäre also eine enorme Verbesserung, wenn diese Lösungsmöglichkeiten direkt in der Fehlermeldung von Axure angezeigt würden.

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Positiv aufgefallen ist uns Axure in Bezug auf die Lernförderlichkeit. So werden bei vielen Buttons Tooltips angeboten, die erklären, welche Aktion ausgelöst wird und mögliche Shortcuts angeben. Außerdem findet sich an vielen Elementen eine kontextsensitive Hilfe, die kurze Erklärungen und sogar eine Verlinkung auf die Webseite mit Hilfevideos und Tutorials bietet.

Auch konnten wir bei unserer kurzen Expertenevaluation keine Verstöße gegen die Erwartungskonformität finden. Gleiche Funktionen sind stets identisch dargestellt und benannt, das System ist in sich konsistent.

Hinsichtlich der Individualisierbarkeit bietet Axure bereits einige Möglichkeiten, die jedoch auch noch erweitert werden könnten. So kann der Nutzer bereits die einzelnen Einstellungsfenster links und rechts von der Arbeitsfläche ein- und ausblenden und auch vom Rand lösen. Der potentielle Nutzer wird jedoch enttäuscht sein, wenn er die Fenster komplett individuell, wie beispielsweise von Photoshop bekannt, anordnen möchte, da dies nicht möglich ist. Auch würde er gerne verschiedene individuelle Einstellungen speichern können, zwischen denen er dann wechseln kann.

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Um konkrete Beispiele aufzuzeigen bin ich hier auf alle sieben Dialogprinzipien gleichermaßen eingegangen. Beim Durchführen einer kompletten Expertenevaluation an Axure, aber auch bei vielen anderen Projekten in der Vergangenheit, zeigt sich aber, dass Verstöße gegen die Selbstbeschreibungsfähigkeit und die Aufgabenangemessenheit am häufigsten vorkommen, gefolgt von Nichtbeachtung der Steuerbarkeit. Gerade diese Probleme lassen sich jedoch meist ohne viel Aufwand beheben, indem Elemente eindeutiger beschriftet, unnötige Dialogschritte entfernt und ausreichend Buttons zur Steuerung angeboten werden. Ein kleiner Aufwand, der dem Nutzer einen großen Usability-Vorteil bringt. Und gerade das ist die Chance, die die Durchführung einer Expertenevaluation bietet.

Dieser Artikel wurde in ISO 9241-110, Usability, User Experience veröffentlicht.
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